Viele neue Menschen

Ich überlege, ob Markus, René oder Daniel es mir übel nehmen würden, wenn ich einfach zu allen nur noch Christian oder Tom sage. Denn das sind die häufigsten Namen. Doch genau die anderen kann ich mir eher merken. Denn ihre Besitzer haben alle etwas besonderes zu erzählen.

Mal ist es das Jahr als Sanitäter oder Koch auf einem Aida-Kreuzer, mal eine besondere Reise durch Skandinavien oder Chile oder das Training für den Medaillentraum als Skipringer. Welcher zwar mit demoliert Knochen endet, der sich für denjenigen nach eigenen Aussagen aber absolut gelohnt hat.

Ganz oft ist es einfach die Geschichte von irgendeiner Fahrt, die besonders chaotisch oder mit extremen Stürzen verlief.

Und so liege ich an einem Nachmittag mit anderen auf dem Boden in einem Aufenthaltsraum.vor uns die Karten, neben uns das "Roadbook", alle auf der Suche nach besonderen Strecken. Doch immer mit dem Blick darauf, die Etappen auch einzuhalten und die Checkpoint-Regionen zu erreichen. 

Ich hoffe, dass vlt doch noch jemand meine USB-Dose repariert. Ein Navi, auch wenn es nur das alte Handy ist, wäre mir wirklich lieber als ausgerechnet in der Wüste auf Karte und Kompass angewiesen zu sein. Zumal als nur eine von zwei Frauen auf dem Motorrad und der Tatsache, dass die auch noch jünger ist als meine Kinder. Ja, die eine gewisse Frage, sie taucht immer wieder auf. Warum tue ich das? Warum tue ich mir das an? 

Kurze Antwort: weil ich schon soooo lange nach Afrika möchte. Und außerdem kann ich es mir erlauben, es gemütlich angehen zu lassen. Mir Land und Leute anzuschauen und nicht nur so viele Kilometer wie möglich auf unbefestigten Wegen zu fahren.

In der Nacht grübele ich schließlich, ob ich wirklich viel fahren oder mir nicht doch noch das ein oder andere anschauen möchte. Ob ich eine oder zwei Nächte in Marrakesch verbringen möchte. Ob ich für zwei Nächte in Marrakesch eine 6-Std-Tour über die Autobahn in Kauf nehme. Andererseits....wenn nicht am Anfang, wann sonst schafft man das. Mir wird bewusst, wieder einmal, dass es zu jedem Plan A einen Plan B geben muss. Einen alters- und interessensgerechten Plan B. Um dann wahrscheinlich Plan C zu fahren. So, wie ich es immer mache. ????

Mit dem Gedanken, dass der erste Abend auf afrikanischem Boden schon irgendwie eine Entscheidung bringen wird, schlafe ich ein.

Noch knapp 12 Stunden bis Afrika...