Tafraoute und das Charity-Projekt
Für den ersten richtigen Fahrtag in Marokko schließe ich mich drei Tirolern an, die heute Asphalt fahren wollen. Den "Tizi n'Test"- Pass. Die Karte und die Beschreibung aus dem Roadbook verspricht tolle Kurven. Zunächst erwartet uns allerdings eine Baustelle, die uns quasi die ersten Offroadeinlagen bringt. Bei uns wäre hier alles voll gesperrt gewesen! Leider ist die Baustelle nach ca 10 Kilometer zu Ende. Und auch leider: irgendwo in der Baustelle hat sich das Schaffell von meiner Sitzbank verabschiedet. Nun denn....was ist schon ein Schaffell gegen den Schlüssel?! ????
Und dann beginnt eine wilde Hatz über den Pass, der das kreisrunde Grinsen weckt und unter den Helm treibt. Bis zur Passhöhe, wo wir bei Mustafa ein leckeres Berber-Omelett genießen und Bilder vom Schnee des letzten Winters betrachten. Wir sind immerhin auf 2093m!
Einige Zeit später erhalten wir am Fuß des Gebirges den ersten Hitzeeindruck. Der scheinbar auch das Navi von Manuel ergreift, welches uns mitten durch Agadir schickt. Das Durchfädeln durch den Verkehr ist hier für Motorräder quasi Pflicht. Da ich dies auf dem Balkan vor sechs Monaten geübt habe, sitze ich pfeifend und grinsend auf Tante Elsbeth. Ebenso wie auf dem nachfolgenden Stück über wieder kleinere und kurvige Straßen zum nächsten Ziel.
Nach einem anstrengenden Fahrtag besuchen wir nämlich nun die Schule, die von den Spendengeldern des letzten Jahres gebaut wurde. Wir werden wie Könige bewirtet und herzlichst empfangen. Wahnsinn!
Auf dem Weg zum Hotel winken uns alle Kinder zu. An der Mauer eines Gartens stehen fünf Mädchen und freuen sich über jeden von uns, der zurückwinkt. Plötzlich merken sie, dass ich eine Frau bin. Damit haben sie nicht gerechnet und brechen quasi in Jubel aus.
Neben den Eindrücken von der faszinierenden Natur, sind es vor allem auch diese Momente, die mich glücklich machen und am Abnd zufrieden einschlafen lassen. Die Esel, die uns zuvor auf dem Weg vom Essen zurück ins Hotel freilaufend in den Gassen des kleinen Dörfchens begegnen, ist das natürlich alles reichlich egal.
Am nächsten Morgen begrüße ich den Tag mit Qi Gong auf der Dachterrasse des Hotels. Die Luft hängt voller Feuchtigkeit vom Meer, als die Sonne aufgeht über der Region Thargazout. Ein weiterer fantastischer Tag liegt vor mir.