Auf nach Afrika!
Wobei es ja zunächst nach Italien geht!
Ich starte frühmorgens mit der fertig gepackten Tante Elsbeth im Bus zum ersten Punkt meines Abenteuers. Meine Aufregung der vergangenen Tage hat sich verabschiedet. Denn eigentlich bin ich nur noch müde und möchte viel lieber die nächsten drei Tage im Bett liegen bleiben! Besser gesagt: mein Körper möchte das und beklagt sich überdeutlich durch die verschiedensten Zipperlein.
Doch es dauert nur Sekunden nach dem Klingeln des Weckers bis das Adrenalin mich wieder im Griff hat. Also ab dafür! Wer A sagt, muss auch ...naja, kennt ja jeder. ????
Gegen Mittag komme ich bei Lugano aus dem Tunnel in strahlenden Sonnenschein mit einem Blick auf ein grandioses Bergpanorama unter blauem Himmel. Wow! Ich liebe diese Momente, wenn der Anblick dieser wunderschönen Natur mich erfüllt. Wie schön wäre es, Zeit zu haben und ein, zwei Tage zu verweilen. Doch die Fähre wartet ja nicht, also geht es weiter, bei Temperaturen jetzt um die 20 Grad, über die Grenze nach Italien und bis zur Po-Ebene. Hier treffe ich auf einen Teil ebenso bekloppter Menschen wie ich es bin. Alle mit dem einen Ziel: die Umrundung Marokkos auf und in alten Kisten. Herrlich!
Mein Körper will meinen Kopf kurz auf die Altersunterschiede zwischen den anderen und mir aufmerksam machen. Ach wie schön, dass ich das sooo gut ignorieren kann. ????
Sofort kommt man ins Gespräch und am nächsten Morgen steht sogleich jemand mit einem Starthilfekabel parat, als die Tante wieder nicht anspringen will. Nur gut, dass ich bei einer Teilnehmerin im Oldtimer eine Batterie geparkt habe. Die kommt in Tanger definitiv in die Tante!
Und dann geht es in leichtem Cross-Outfit zwei Stunden bei 7-9 Grad nach Genua zur Fähre. Anderen hinterher, denn die Steckdose für mein Navi-Handy mit dem kaputten Akku hat keinen Strom und ich habe nur eine Karte für Marokko. ????????♀️
Es ist kalt! Saukalt! Nach 10 Minuten fühlen sich meine Hände an, als seien sie am Lenker festgefroren. Das Ticket für die Autobahnmaut ist mit Handschuhen nicht zu greifen, doch ich spüre meine Finger nicht mehr. Ich ziehe also die Handschuhe mit den Zähnen aus und brauche dann ewig an der Schranke, die Handschuhe wieder anzuziehen. Weiß bei der Weiterfahrt nicht, ob die Finger alle dort sind, wo sie hingehören.
Bei den Kurven nach Genua rein spüre ich nicht mal mehr, ob ich schalte. Ich bekomme mechanisch die Bewegungen dafür hin. Welchen Gang ich erwischt habe, zeigt sich jeweils beim Einkuppeln. Einmal jault die Tante dabei empfindlich auf. Der Gang war also falsch. ????
Doch irgendwie schaffe ich es. Und schließlich kann ich am Fährhafen mit den anderen endlich in der langsam uns erwärmenden Sonne auftauen. Puh!
Vier Stunden später ist es soweit. Alle sind an Bord. Ein Motorrad wird in den Bauch der Fähre deckauf und deckab geschoben. Ein Regler hat sich verabschiedet, die Batterie ist leer. Mein Ersatzteil passt nicht, Yamaha und Honda sind hier nicht kompatibel. Doch das passende Stück ist für Tanger organisiert.
Zum ersten Mal zeigt sich der Rodeo-Spirit. Es wird keiner zurückgelassen! Yeah!